Mo
01
Jun
2009
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1c/Bundesarchiv_Bild_183-24191-0003,_Donnin,_Bauern_beim_Umf%C3%BCllen_von_Milch.jpg
Der Druck auf die heimische und europäische Milchwirtschaft hat in den vergangenen Monaten aufgrund der schlechten Preislage, als Folge Export- und Konsumrückgängen sowie des Umstiegs von Milch-
Ersatzprodukte in der Lebensmittelproduktion und in der Gastronomie stark zugenommen.
Minister Berlakovich macht darauf aufmerksam, dass beim Weltmilchtag "nicht nur um ein schmackhaftes und wertvolles Lebensmittel geht, sondern um die Existenzsicherung unserer Bäuerinnen und Bauern,
um gesunde, heimische und natürliche Produkte für die Konsumentinnen und Konsumenten sowie um ein Österreich mit Almen und Weiden, wie wir es kennen und schätzen".
Das sogenannte Milchkonjunkturpaket, das Aussetzen der Milchquotenerhöhung – sofern es im Parlament zum erforderlichen Beschluss kommt – soll den Milchbauern Erleichterung in ihrer äußerst
schwierigen Lage bringen. Im Rat der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel, Berlakovich gelungen, mit Deutschland und Frankreich eine starke Achse zu bilden und von der EU-Kommission ein EU-Paket für
die Milchwirtschaft zu erreichen.
Brüssel ermöglicht auf die französisch-deutsch-österreichische Initiative unter anderem das Vorziehen der Prämienauszahlung. Einen Großteil ihrer Zahlungen und Leistungsabgeltungen bekommen die
österreichischen Landwirte schon im Oktober 2009 ausbezahlt. Laut Berlakovich "hat die EU-Kommission hat uns auch noch weitere von Österreich geforderte Maßnahmen zur Stützung des europäischen
Milchmarktes zugestanden: So soll die Intervention (Herausnahme von Milch, Magermilchpulver, Butter aus dem Markt) und die private Lagerhaltung über die usrprüngliche Befristung bis August hinaus
verlängert werden. Mit den Exporterstattungen und der Intervention wird ein Marktventil geschaffen, um den Mengendruck zu lindern. Zusätzlich ist die Ausweitung der Exporterstattung für Käse in
Vorbereitung und das Schulmilchprogramm soll ausgeweitet werden".
Außerdem appelliert Berlakovich an die Konsument(innen), "bewusst österreichische Milch und Milchprodukte zu kaufen, denn sie entscheiden über den Bestand der Landwirtschaft in Österreich. Wenn
heimische Produkte gekauft werden, dann wird es auch eine flächendeckende österreichische Landwirtschaft geben."
Kaufverhalten verlagert sich klar in Richtung "länger frisch"
Die Menge der im Lebensmittelhandel verkauften Trinkmilch verändert sich über die Jahre betrachtet kaum und lag 2008 bei rund 318.000 Tonnen. Was sich jedoch drastisch ändert, sind die
Mengenverhältnisse innerhalb dieses Segmentes. Die klassische Frischmilch hat ganz deutlich verloren und hielt 2008 bei 53 Prozent Mengenanteil. Daher ist der Anteil der "länger frische n" ESL-Milch
(ESL steht für Extended Shelflife) in wenigen Jahren von Null auf rund 28 Prozent hinauf geschnellt. Der Anteil der (echten) Haltbarmilch ist auf rund 19 Prozent gestiegen.
Milch muss frisch und heimisch sein
Das wichtigste Kaufkriterium bei Milch ist mit 73 Prozent Zustimmung die Frische, das zweitwichtigste mit 64 Prozent die heimische Herkunft. Nur rund die Hälfte der KonsumentInnen (54 Prozent) gibt
in Umfrage an, auf den Preis zu schauen. Im tatsächlichen Einkaufsverhalten dürfte das aber nicht ganz zutreffen. Eine große Marken-Auswahl spielt mit elf Prozent nur eine relativ geringe Rolle, geht
aus einer Umfrage von Fessel-GFK im November 2008 hervor.
Verbrauchertäuschung durch Käse, der aus der Retorte kommt
Normalerweise erwarten Konsumenten, dass Käse aus Milch hergestellt wird. Doch in jüngster Zeit kommt immer häufiger ein künstliches Gemisch in Umlauf, das wie Käse aussieht und ähnlich schmeckt,
aber nichts mit dem "Original" zu tun hat. Es handelt sich um ein Imitat, bestehend aus Palmöl, Stärke, Milch- oder Sojaeiweiß, Salz und Geschmacksverstärkern.
Dieses Kunsptprodukt ist laut AMA-Angaben rund 40 Prozent billiger als richtiger Käse, hitzebeständiger, besser standardisierbar und maschinengängig. Verwendung findet es vorzugsweise in der
Gastronomie und auf Fertiggerichten wie auf Pizza, Toasts und Baguettes.
Ausgehend von einer Schätzung aus Deutschland, wo die Menge an Kunst- oder "Analogkäse" auf rund 150.000 t betragen soll, könnten es laut Mikinovic in Österreich zirka 15.000 t sein.
Berlakovich ruft die verarbeitende die verarbeitende Lebensmittelindustrie, die etwa in der Eis- und Süßwarenproduktion in der kurzen Hochpreisphase auf Ersatzprodukte umgestiegen ist, auf, "wieder
echte Milch und Milchprodukte zu verwenden". Der Minister steht auf dem Standpunkt, dass die Konsumenten nicht irregeführt werden dürfen: "Sie müssen weiterhin Vertrauen in unsere heimischen
Lebensmittel haben. Wo Käse draufsteht, muss Käse drinnen sein."
Forderung nach eindeutiger Lebensmittelkennzeichnung
Berlakovich fordert daher eine entsprechende einheitliche, EU-weite Lebensmittelkennzeichnung bei der Verwendung von Imitaten: "Es muss eindeutig ersichtlich sein, ob etwa ein Verarbeiter ein
künstliches Gemisch oder echten Käse einsetzt. Denn die Konsumenten erwarten sich eine Pizza mit Käse und ein Eis mit Milch und nicht mit irgendwelchen Fetten."
Milchbäuerinnen informieren über den Wert der Milch
Schon im Vorfeld des Weltmilchtages verteilen Milchbäuerinnen in ganz Österreich Milchpakete und Infofolder und suchen den Dialog mit den Konsumenten. "Milch ist ein Lebensmittel wie kaum ein
anderes. Aufgrund seiner vielen hochwertigen Bestandteile ist es ein regelrechtes Über-Lebensmittel und hat einen besonderen Stellenwert in der langen Skala der Lebensmittel", erläutert die
Salzburger Landesbäuerin Elisabeth Hölzl.
Empfindliche Senkung des Erzeugermilchpreises
Mit Hinweis auf die sehr angespannte Lage auf den internationalen Milchmärkten – gekennzeichnet von schleppender Nachfrage und gesunkenen Exporte in Drittstaaten – und die nach wie starke Anlieferung
sahen sich sowohl Berglandmilch wie auch NÖM und Tirol Milch zu einer drastischen Senkung des Erzeugermilchpreises gezwungen:
• Bei Marktführer Berglandmilch beträgt der Preis für Juni bei 4,2 Prozent und 3,4 Prozent Eiweiß netto (ohne Umsatzsteuer) 26,60 Cent/kg bzw. brutto 29,79 Cent. Im Mai hatte er 30,84 Cent bzw. 34,54
Cent betragen.
• Die Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) als Erzeugerorganisation der NÖM AG reduziert den Auszahlungspreis per 1. Juni um 3,2 Cent auf netto 25,22 Cent bzw. brutto 28,249 Cent/kg. Zuletzt
war er bei 28,42 bzw. 31,83 Cent gelegen. Zwischen MGN und NÖM wurde als Basis für den Milchpreis zwischen April und Dezember 2009 der bayerische Auszahlungspreis vereinbart. Dieser ist zuletzt stark
gesunken.
• Bei Tirol Milch wurde, nicht zuletzt aufgrund der enormen saisonalen Anlieferungssteigerung, entgegen der ursprünglichen Planung eine Preissenkung für Mai und Juni auf netto 23,14 Cent bzw. brutto
26 Cent/kg vorgenommen. Für die folgenden Monate dürfen die Lieferanten der Tirol Milch entsprechend der Anlieferungskurve aber wieder auf einen etwas besseren Preis hoffen.
Quelle: http://www.bauernzeitung.at/?id=2500%2C49703%2C%2C